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Leichlingen feiert die deutsch-französische Freundschaft

Kölner Stadtanzeiger vom 18.03.2024, Niklas Pinner

Vor sechs Jahrzehnten begründeten die Städte Leichlingen und Marly-le-Roi eine Freundschaft. Sie ist bis heute lebendig.

Sybille Schmidt erinnert sich noch ziemlich gut an den Moment, in dem bei ihr der Funke entfacht wurde. 1996 war das – Schmidt und ihr Mann hatten zuvor ein paar Jahre in Kanada gelebt –, als das Paar in Leichlingen erstmals ein Ehepaar aus Frankreich beherbergte. Und dieser Funke, der durch die Begegnung entstand, wurde so groß, dass Schmidt sich entschloss, selbst aktiv und Vorsitzende des Freundeskreises Marly-le-Roi zu werden. Und das ist sie 28 Jahre geblieben, bis Anfang des Monats. Seitdem steht Hannelore Fohlmeister-Waßenberg dem Verein vor, der in diesem Jahr das 60-jährige Bestehen der Freundschaft mit der französischen Stadt feiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Damals, als die Städtepartnerschaft begründet wurde, war das nicht so selbstverständlich, wie es heute zu sein scheint. Der Begriff der „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich geisterte noch durch so manche Köpfe, weiß auch Bürgermeister Frank Steffes. Auch Sybille Schmidt erzählt, dass einige französischen Gäste, die bei ihr gewohnt haben, in ihrer Heimat kritisch beäugt worden seien, weil sie nach Deutschland reisten. „Aber wo sich Menschen begegnen, überwindet man Rassismus. Rassismus entsteht, wo Menschen sich nicht kennen“, sagt Steffes.

Heute, 60 Jahre später, nach zahlreichen Austauschen und Reisen ist von der einstigen Feindschaft zumindest zwischen den Menschen dieser beiden Städte nichts mehr zu spüren. Angefangen hat das alles durch eine Brieffreundschaft zwischen der Leichlingerin Annegret Wefelscheid und der Französin Annette Picardel. 1964 gab es den ersten Jugendaustausch, wo sich Wefelscheid und Picardels Bruder Jean-Michel kennenlernten. Die beiden heirateten, und Annegret Wefelscheid ist inzwischen Annegret Picardel. Das freundschaftliche Bekenntnis machten damals die Bürgermeister Heinrich Hansmeyer und Raymond Gilles offiziell.

Es folgten unzählige Austausche über die „Jumelage“ (Partnerschaft). Sportgruppen, kulturelle Gruppierungen und natürlich Schülerinnen und Schüler besuchen sich seitdem regelmäßig. Und immer leben die jeweiligen Gäste in Familien. Das macht die Partnerschaft aus, der Austausch. „Wir haben tolle Freunde gefunden, tiefe Freundschaften sind entstanden“, sagt Sybille Schmidt.

Davon weiß auch Heidrun Glage zu berichten, sie betreut seit 40 Jahren für die Stadt Leichlingen die Städtepartnerschaften. Sie erinnert sich noch gut an eine fünftägige Radtour zum 25-jährigen der Jumelage 1989. Unter anderem mit dem TV Witzhelden fuhr eine Delegation die rund 450 Kilometer mit dem Fahrrad nach Marly-le-Roi.

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Freuen sich auf das Jubiläum: Heidrun Klage, Hannelore Fohlmeister-Wassenberg, Frank Steffen und Sybille Schmidt (v.l.)

Bild: Niklas Pinner

Partnerschaft seit 60 Jahren

Rheinische Post vom 19.03.2024, Thomas Peter

Die Städtepartnerschaft zwischen Leichlingen und der französischen Gemeinde Marly-le-Roi ist eine der ältesten in Nordrhein-Westfalen

Seit sage und schreibe 60 Jahren besteht nun schon die Städtepartnerschaft zwischen Leichlingen und der französischen Gemeinde Marly-le-Roi. Damit sei sie eine der ältesten in Nordrhein-Westfalen, hebt Bürgermeister Frank Steffes hervor. Gefeiert wird dieses Jubiläum groß am und um den 11. Mai, wenn eine Delegation aus Frankreich die Blütenstadt besucht. Dabei wird es auch eine Premiere geben: Das Jubiläum ist einer der ersten großen Termine für die neue Vorsitzende des Freundeskreises Marly-le-Roi, Hannelore Fohlmeister-Waßenberg. Sie hat Anfang März die Nachfolge von Sybille Schmidt angetreten, die den Verein nach 28 Jahren an der Spitze in neue Hände geben wollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Jubiläum ist ein viertägiges Programm mit den Gästen geplant mit Ausflügen, einem Besuch im Sinneswald und als Höhepunkt der Feier am Samstag, 11. Mai, in der Stadthalle Bergisch Neukirchen. Dabei wollen die beiden Bürgermeister auch die Partnerschaftsurkunde erneuern.

 

Die Tradition der Städtepartnerschaften sei durch den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag zwischen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer begründet worden, erklärt Frank Steffes. Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sei damit eine Jahrhunderte alte „Erbfeindschaft“ mit dem Elysée-Vertrag beendet worden: „So konnte es nicht weitergehen. Ich habe als Kind noch alte Männer gehört, die uns Kinderlieder nach dem Motto ‚Patrone gegossen, Franzosen erschossen‘ beibringen wollten“, erinnert sich der Bürgermeister.

 

Die deutsch-französische Freundschaft sei die Grundlage aller europäischen Gemeinschaften bis hin zur EU gewesen, Steffes hält es für wichtig, dass sie weiterhin deren Motor sei. Bergisch Gladbach sei damals die erste Stadt in Nordrhein-Westfalen mit einer „Jumelage“ – also einer Partnerschaft – gewesen, Leichlingen sei 1964 gefolgt.

 

„Ich habe mir vorgenommen, die Freundschaft zwischen unseren Gemeinden auch weiterhin zu fördern und meine Ideen und meine ganze Energie einzubringen“, sagt die neue Vorsitzende des Freundeskreises bei einer Vorstellung im Rathaus. Ganz neu sei sie allerdings nicht, da sie schon seit 62 Jahren in Leichlingen lebe und seit 14 Jahren im Verein aktiv sei. Ihre Eltern seien 1962 aus der DDR geflohen, die junge Hannelore konnte von Anfang an mitverfolgen, wie aus der Brieffreundschaft zweier Mädchen aus Leichlingen und Marly nach und nach die Städtepartnerschaft entstand. Dass dieses Mädchen später auch noch den Bruder ihrer Brieffreundin heiratete, habe Fohlmeister für die Völkerfreundschaft begeistert. „Ich habe als junge Frau an einem Sportleraustausch mit Marly teilgenommen und und möchte heute wieder junge Menschen miteinander bekannt machen“.

 

Ihrer Vorgängerin Sybille Schmidt sei das in den letzten 28 Jahren sehr gut gelungen, betont Bürgermeister Steffes. Bis 1993 war die Städtepartnerschaft noch Aufgabe der Stadtverwaltung. Wegen einer finanziellen Notlage der Stadt hatte damals der Verein übernommen. Trotzdem gibt es mit Heidrun Glage auch heute noch eine Ansprechpartnerin in der Verwaltung, die viele Aktivitäten ehrenamtlich begleitet.

 

Über die gesamten 60 Jahre haben sich Franzosen und Deutsche immer besser kennengelernt. Ob bei Schüler- und Sportleraustausch oder Kooperationen in Kunst und Musik: „Es sind immer die Menschen, die die Verbindung am Leben erhalten und mit Leben füllen“, betont Frank Steffes. So seien viele persönliche Freundschaften entstanden, die in den Familien über die Jahre gewachsen und weitergegeben worden seien. Denn wenn Leichlinger in Marly zu Gast sind oder umgekehrt, wohnen sie immer in den Familien. „Auf diese Weise lernt man alles sehr intensiv kennen“, sagt Stadtsprecherin Ute Gerhards. Sogar die Sprachbarrieren würden mit der Zeit beseitigt.

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Freuen sich auf das Jubiläum: Heidrun Klage, Hannelore Fohlmeister-Wassenberg, Frank Steffen und Sybille Schmidt (v.l.)

Foto: Uwe Miserius

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